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Brauche ich ein Testament?

Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge. Dies kann gewollt, häufig aber gerade nicht gewollt sein. Dies zeigt ein Beispiel:

Ein Ehepaar hat zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren. Die Familie bewohnt das im gemeinsamen Eigentum der Ehegatten stehende Haus, das mit Hilfe eines derzeit noch offenen Kredites bezahlt wurde. Der Ehemann stirbt ohne ein Testament errichtet zu haben. Die Witwe möchte das Haus nun verkaufen, da sich mit dem Tod des Ehemannes die Einkommenssituation dramatisch verschlechtert hat und sie mit den Kindern berufsbedingt zum nächsten Monat in ein anderes Bundesland ziehen muss. Sie will und muss den Verkauf daher möglichst schnell „über die Bühne“ bringen. 

 

In dem Beispiel gilt die gesetzliche Erbfolge. Danach sind Erben geworden die Ehefrau (zu 1/2) und die beiden Kinder (zu je 1/4). Insoweit besteht eine Erbengemeinschaft. Zunächst muss ein Erbschein beantragt werden. Insoweit können einige Wochen vergehen bis dieser vorliegt. Sodann ist eine Berichtigung des Grundbuchs zu beantragen. Hinsichtlich des bisherigen hälftigen Miteigentumsanteils des Ehemannes würde  die Erbengemeinschaft im Grundbuch eingetragen werden.

 

Schwierig wird es dann bei einem Verkauf der Immobilie. Denn zu der im Grundbuch eingetragenen Erbengemeinschaft gehören bekanntlich die Kinder, die jedoch noch minderjährig sind. Das Gesetz schreibt hier vor, dass die Veräußerung einer familiengerichtlichen Genehmigung bedarf.  Da die Mutter selbst Mitglied der Erbengemeinschaft ist, darf sie die Kinder nicht zugleich vertreten, sodass beim Familiengericht noch beantragt werden muss, einen sogenannten Ergänzungspfleger für die Kinder zu bestellen, der dann für diese handelt. Dass der Ehefrau die Immobilie schon zur Hälfte gehörte, ändert daran nichts.

 

Die Vorstellung, die Immobilie schnell verkaufen zu können, dürfte damit geplatzt sein.

 

Wie wäre dieses Szenario zu vermeiden gewesen? Im Idealfall hätten sich die Ehegatten in einem notariellen Testament wechselseitig zu alleinigen Erben eingesetzt. Dieses Testament wäre nach dem Tod vom Nachlassgericht eröffnet worden. Mithilfe des Eröffnungsprotokolls und des Testaments wäre eine Berichtigung des Grundbuchs dahingehend beantragt worden, dass die Ehefrau Alleineigentümerin ist. Anschließend hätte sie die Immobilie ganz einfach verkaufen können.

 

 

Heiko Müller

Rechtsanwalt und Notar